Rezensionen

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Modemetropole Berlin 1836-1939. Entstehung und Zerstörung der jüdischen Konfektionshäuser

Westphal, Uwe: Modemetropole Berlin 1836-1939. Entstehung und Zerstörung der jüdischen Konfektionshäuser. Henschel Verlag, Leipzig 2019. 271 S., 180 Abb., ISBN 978-3-89487-806-1. Neuauflage von Uwe Westphal: Berliner Konfektion und Mode 1836-1939. Die Zerstörung einer Tradition. Hentrich & Hentrich, Berlin, 1. Aufl. 1986, 2. Aufl. 1992. ISBN 3 89468 044 X.

Uwe Westphal 2019

Alte Irrtümer neu layoutet – nach dreißig Jahren hat der Journalist Uwe Westphal sein 1986 als eine der ersten Publikationen über ‚Arisierungen‘ in der Berliner Textilindustrie erschienenes Buch „Berliner Konfektion und Mode 1836-1939. Die Zerstörung einer Tradition“ unter neuem Titel und in einem anderen Verlag neu aufgelegt. Die Geschichte der Berliner Konfektion ist ein bis heute wichtiges Thema, das es aufzuarbeiten gilt und dem sich seit Jahren verschiedene Wissenschaftler*innen widmen. Bedauerlich ist, dass Westphal nach all den Jahren keine neuen Erkenntnisse in die Forschung einbringt, seinen Text nur leicht umformuliert, fehlerhafte Angaben ungeprüft erneut publiziert, den aktuellen Forschungsstand weitestgehend ignoriert und auch die von ihm vielfach genutzten Zeitzeugeninterviews nicht prüft und kritisch hinterfragt.

In seinem Vorwort spricht Westphal davon, es gebe in Berlin und Deutschland seit Jahrzehnten keinerlei Erinnerung „an die großen Stilikonen der Mode, die Geschichte schrieben“, „die jüdischen Modegestalter“. In Berlin, „der Stadt des Verbrechens“, wisse man „fast nichts darüber“ und sein Buch sei „vielleicht eine letzte Chance zur Erinnerung“ (S. 10-11). Doch diese Chance nutzt er nicht. Weiter lesen... Download

Gesa Kessemeier und Christine Waidenschlager für netzwerk mode textil e.V. (online seit 16. Mai 2019)

 

Brennender Stoff. Deutsche Mode jüdischer Konfektionäre vom Hausvogteiplatz

Hahn, Kristin & Jacobeit, Sigrid (Hg.): Brennender Stoff. Deutsche Mode jüdischer Konfektionäre vom Hausvogteiplatz. Berlin, Leipzig, Hentrich & Hentrich Verlag, 2018. 152 S., 88 Abb., ISBN 978-3-95565-275-3

Brennender Stoff klein

Zweimal jährlich wird anlässlich der seit 2007 stattfindenden Berliner Modewoche in den Medien diskutiert, ob Berlin eine Modestadt ist. Auch wenn sich über das Ergebnis einer solchen Diskussion streiten lässt, muss festgestellt werden, dass bei der Betrachtung die Geschichte, die die Stadt gerade auf dem textilen Sektor vorzuweisen hat, außen vorgelassen wird. Mode wird in Deutschland vielfach als Oberflächenphänomen verstanden, deren kulturelles Kapital – anders als in Frankreich, im Besonderen in Paris – verkannt wird. Dem möchte die Publikation „Brennender Stoff. Deutsche Mode jüdischer Konfektionäre vom Hausvogteiplatz" entgegenwirken. Sie ist Teil des Ergebnisses eines zweisemestrigen Studienprojektes am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin. Zunächst skizzieren die beiden Herausgeberinnen, Kristin Hahn und Sigrid Jacobeit, Ziel und Umsetzung des Projektes, das an die Bedeutung des Hausvogteiplatzes und die Modegeschichte Berlins mit ihren jüdischen Wurzeln erinnern will. Weiterlesen... Download

Marie Helbing für netzwerk mode textil e.V. (online seit 19.03.2019)

 

Zu Ende gewebt. Textilkunst für die letzte Reise

Baberske, Beate u.a. (Hg.): Zu Ende gewebt. Textilkunst für die letzte Reise, Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums, Band 80, Verlag Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim, Deiningen 2018, 144 S., 94 farb. Abb., ISBN 978-3-946457-02-2

Zu Ende gewebt Cover klein

Zeitgenössische Paramente als Antwort auf spirituelle Fragen in Zusammenhang mit Trauer und Verabschiedung, dies ist die Intention des Bandes zur Ausstellung Zu Ende gewebt im ‘Museum Kirche in Franken‘ Bad Windsheim. Mehrere Artikel im Zusammenhang textiler Sepulkralkultur und ein Katalogteil im Anschluss führen ein in den gegenwärtigen Gebrauch von Paramenten in evangelischen Kirchen.  

In seinem Vorwort verweist Mathias Hartmann auf eine Interpretation der Paramentik als Ausdruck der Leiblichkeit der Kirche. Damit ist ein Brückenschlag zur Bekleidungsmetaphorik des Textilen gefunden. Dies wird beispielsweise deutlich an künstlerischen Artefakten wie den mit Filz ummantelten Bestattungsurnen. Diese textilen Hüllen für ansonsten zu glatt und kalt empfundene Oberflächen stellen in gewisser Weise die letzte Möglichkeit dar, menschliche Wärme und Zuneigung zum Verstorbenen auszudrücken. Weiterlesen... Download

Monika Keller für netzwerk mode textil e.V. (online seit 12.12.2018)

 

Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst

Zürcher Kunstgesellschaft / Kunsthaus Zürich (Hg.): Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst. Katalog zur Ausstellung im Kunsthaus Zürich vom 20.04.-15.07.2018. Bielefeld, Kerber, 2018. 288 S., 306 farb. u. 107 s/w Abb. ISBN 978-3-7356-0432.3

Fashion drive klein

Modeausstellungen sind Publikumsmagneten, und auch reine Kunstmuseen möchten von der Strahlkraft der Mode profitieren. Die Modeausstellungen sollen Unterhaltungs- und Konsumbedürfnisse befriedigen und ein breites Publikum anziehen. Gleichzeitig muss ein intellektueller, der Kunstvermittlung dienender Anspruch erkennbar bleiben, wie er von solchen Häusern erwartet werden darf.

Das Kunsthaus Zürich gehört zu den wichtigen Museen der Schweiz und verfügt über Sammlungen bedeutender Werke vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Dazu zählen neben Gemälden und Skulpturen auch grafische Werke und Fotografien. Für die Ausstellung „Fashion Drive. Extreme Mode in der Kunst“ stand ein idealer Grundstock zur Verfügung, denn viele Kunstwerke bilden Menschen mit außergewöhnlicher Kleidung ab, die etwas über die Mode und Exaltiertheiten einer bestimmten Epoche aussagen. Weiterlesen... Download

Rose Wagner für netzwerk mode textil e. V. (online seit 12.12.2018)

 

Oneway Runway. Paper Dresses zwischen Marketing und Mode

Schmuck, Beate: Oneway Runway. Paper Dresses zwischen Marketing und Mode.
Waxmann, Münster, 2018, 343 S., zahlr. farb. Abb. ISBN 978-3-8309-3808-8

Cover Schmuck Oneway Runway 2klein

Schnelle Mode in den 1960ern … anziehen, ausziehen, weg damit!
Bei den Paper Dresses, Papierkleidern, in der DDR auch Vliesettkleider genannt, handelt sich um Modekleidung „aus gefärbten, bedruckten oder beschichteten, papierähnlichen Vliesstoffen“, die als Werbeträger für andere Konsumgüter, als eigene Produktlinien von Bekleidungsherstellern oder auch als DIY-Angebote vertrieben wurden. Im Vordergrund der Verbreitungsstrategien steht überwiegend das ephemere Material Papier, das als modisches Zeichen einer als zeitgemäß zu propagandierenden Wegwerf-Mentalität verstanden werden will.
Die Publikation basiert auf einem Studierendenprojekt des Seminars für Kulturanthropologie des Textilen unter der Leitung von Beate Schmuck. In den Jahren 2012-2016 hat sie gemeinsam mit den Studierenden eine Sammlung aufgebaut, Ausstellungen konzipiert, kuratiert und realisiert sowie das Paper Dress in seiner kulturellen Dimension erforscht. Neben umfassenden Forschungsergebnissen, die auf unterschiedlichste methodische Zugänge zurückzuführen sind, liefert der Band in seinem Katalogteil einen breiten visuellen Überblick zum Gegenstand und seinen vielfältigen Medialisierungen. Nachdem das überwiegend auf die 1960er-Jahre zeitlich begrenzte und wissenschaftlich nur spärlich aufgearbeitete Modephänomen Paper Dress bislang überwiegend als Werbe-Gag rezipiert wurde, ermöglicht die im Projekt sukzessive aufgebaute „Sammlung Schmuck“, die neben den eigentlichen Paper Dresses auch Werbeanzeigen, Pressefotos und journalistische Beiträge beinhaltet, nun eine wesentlich breitere Analyse. Weiterlesen... Download

Dagmar Venohr für netzwerk mode textil e.V. (online seit 23.10.2018)

 

PHOENIX. Modewelten von Stephan Hann

Murr, Karl Borromäus (Hg.), PHOENIX. Modewelten von Stephan Hann. Katalog zur Ausstellung vom 7. April bis 29. Juli 2018 im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim), Hirmer Verlag, 2018, 176 S., 200 farb. Abb., ISBN 978-3-7774-3174-1

Phoenix klein

Mit Stephan Hann widmet sich die Ausstellung des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg einem versierten Meister der Näh- und Schnitttechnik, bei dem sich klassisches Schneider-Handwerk mit subtilem Künstler-Handwerk in kongenialer Weise vereinigt. Stephan Hann kreiert Kleiderobjekte als Modeartefakte, die nicht herkömmlichem Mode-Business, sondern der bildenden Kunst zuzuordnen sind. Dem Künstler gelingt, so der Herausgeber und Autor des Katalogs Karl Borromäus Murr, eine „wundersame Verwandlung des Prosaischen des Alltags in das Poetische der Kunst“ (4). Ob Telefonbuch oder Carte de Visite, Rosenblatt oder Champagner-Kapsel, Milch-Tetra Pak oder Swarovskikristall, Plastiksack oder Videotape, es scheint nichts zu geben, das sich nicht durch die Hand des Künstlers in Kleidungsstücke transformieren lässt. Es entstehen unter anderem Overalls, Minikleider, Schuppenpanzer, Kimonos oder Abendroben, die, ausgenommen wenige sehr fragile Stücke, auf den ersten Blick durchaus tragbar erscheinen. Gleichzeitig erzählen die aus Recyclingpro-zessen entstandenen Kleidungsstücke von der Lebensgeschichte Hanns. Weiterlesen... Download

Monika Keller für netzwerk mode textil e.V. (online seit 28.06.2018)

 

Pracht der Tracht. Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe

Just, Marcel / Vögele, Christoph (Hrsg.): Die Pracht der Tracht. Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe. Mit Beiträgen von Felix Aeppli, Bernadette Fülscher, Marcel Just, Ursula Karbacher, Barbara Vinken und Christoph Vögele.
Kunstmuseum Solothurn. Zürich: Scheidegger & Spiess 2017. 191 Seiten, 209 farbige und s/w Abb., ISBN: 978-3-85881-562-0

Pracht der Tracht klein

Trachten erleben seit einigen Jahren ein Revival, beim Münchner Oktoberfest, in Designerkollektionen, in Ausstellungen, Zudem gewinnen sie in der Debatte einer neuen Identitätsfindung oder -wahrung mit neuen Heimatministerien und kulturellen Leitbildern einen kulturpolitischen Rahmen. Diese Debatte greift die Ausstellung „Die Pracht der Tracht“ des Kunstmuseums Solothurn (2. September 2017 bis 7. Januar 2018) gewinnbringend aus Schweizer Sicht auf. Ausstellung und Katalog thematisieren Trachten vom 18. Jahrhundert bis heute anhand von Gemälden, Graphiken, Fotos und Filmen mit Trachtendarstellungen – nicht anhand der Trachten selbst – und nehmen diese sowohl als Bildmotiv als auch bildliche Aussageform in den Blick. Der Katalog besteht aus sechs Essays und ganzseitigen Bildfolgen der ausgestellten Werke. Er eröffnet neue Sichtweisen und Analysen zu vorwiegend zwei Themenschwerpunkten: Tracht als Zeichen bzw. Emblem der Nation und einer heilen bäuerlichen Welt sowie die Kommerzialisierung dieses Emblems für Wirtschaft und Tourismus. Weiterlesen... Download

Uta-Christiane Bergemann für netzwerk mode textil e.V. (online seit 27.06.2018)

 

FOTOGESCHICHTE. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Mode und Fotografie

Geiger, Annette (Hg.): FOTOGESCHICHTE. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Mode und Fotografie. H. 146, Jg. 37, Jonas Verlag 2017. 80 S., zahlr. s/w. Abb. ISSN 0720-5260.

Fotogeschichte REZ Wolter klein

Was macht ein Foto zum ‚Modefoto‘, wann bekommt ein Fotograf das Etikett ‚Modefotograf‘? Diese auf den ersten Blick recht simple Frage ist keine einfache. Denn immer, wenn Menschen abgelichtet werden, ist Modisches im Spiel, sei es die Kleidung, die Accessoires, die Frisur, der Stil. Entscheidend ist der Kontext, in dem die Aufnahme entsteht. In der Modefotografie gibt es keine klaren Zuweisungen, wie beispielsweise in der Akt- oder Porträtfotografie. Es ist an der Zeit, diesen allgegenwärtigen Zweig der Fotografie zwischen Mode, Kunst und Livestyle genauer auszuleuchten. Dieser Aufgabe stellt sich das aktuelle Heft der seit Anfang der 1980er-Jahre erscheinenden wichtigsten deutschsprachigen Fachzeitschrift für Fotogeschichte und -theorie.

Die sechs Aufsätze setzen zeitlich in den 1930er-Jahren an und konzentrieren sich dann auf die Gegenwart. Im Editorial benennt Annette Geiger die Prämissen des Internetzeitalters: rasches Durchklicken, kurze Betrachtungszeit, kleine Digitalbilder und – statt der bisher üblichen Printmedien – neue Veröffentlichungsformate wie Kunstbücher, Coffee Table Books oder Ausstellungskataloge. Zu konstatieren sei ein Paradigmenwechsel. Seit den 1990er-Jahren würden Modefotos nicht mehr vorrangig für Modemagazine produziert, sondern sie seien ein Street- und Livestyle-Phänomen: mal selbstironisch, mal karikierend oder auch selbstreflektiv. Weiterlesen... Download

Gundula Wolter für netzwerk mode textil e.V. (online seit 27.06.2018)

 

Victims. The Dangers of Dress Past and Present

Matthews David, Alison: Fashion Victims. The Dangers of Dress Past and Present. London/New York, Bloomsbury, 2015. 225 S., zahlr. farb. Abb. ISBN 978-1-8452-0449-5

REZ Schmelzer Ziringer Matthwes Titel klein

Fashion victims, Menschen, die an jedem Modewandel aus Überzeugung oder teils unfreiwillig partizipieren, die sich Modedesigner*innen unterwerfen oder ihren eigenen leidenschaftlichen Vorstellungen von ,Mode‘ exzessiv frönen und deren Bekleidungsaufwand überpropor-tional ist, stehen nicht im Mittelpunkt des Buchs von Alison Matthews David. Sie nimmt den Begriff wörtlich und beleuchtet die Gefahren, die von Bekleidung, Schuhen, sonstigen Accessoires sowie Schminke ausgehen, und zeigt in der Hauptsache Beispiele aus Frankreich, England und Nordamerika im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert. Im Rahmen eines Projekts zu gefährlicher Bekleidung, die sowohl die Hersteller*innen als auch die Träger*innen tödlich bedroht, wirkte die Autorin als Ko-Kuratorin der Ausstellung „Fashion Victims: The Pleasures and Perils of Dress in the 19th Century“ im Bata Shoe Museum Toronto, die noch bis April 2018 zu sehen ist.

Das poetische Diktum, wonach die Mode die Schwester des Todes sei wie es 1827 bei dem Dichter Giacomo Leopardi (1798-1837) zu lesen war, nimmt die Autorin auf und weist darauf hin, dass Konsument*innen und Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie Sklav*innen, Märtyrer*innen und Opfer von sozialen und ökonomischen Machtverhältnissen seien, wenn Erstere Bekleidung tragen, deren Material eine gesundheitliche Bedrohung darstellt und Letztere dazu gezwungen sind, unter lebensbedrohlichen Bedingungen zu arbeiten. Weiterlesen... Download

Barbara Schmelzer-Ziringer für netzwerk mode textil e.V. (online seit 08.02.2018)

 

Modegruppen und Textilzirkel in der DDR. Die Sammlung im MEK

Wassermann, Sarah: Modegruppen und Textilzirkel in der DDR. Die Sammlung im MEK. Begleitband zum Forschungsprojekt „Tiefenerschließung der DDR-Textilkunst-Sammlung“, Schriftenband Museum Europäischer Kulturen, Band 21, Husum, Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr., 2017. 109 S., 100 meist farb. Abb. ISBN 978-3-86530-239-7.

 REZ Keller Wassermann Titel klein

Ausgangspunkt des Bandes bilden Forschungen zu den rund 180 Textilobjekten „künstlerischen Volksschaffens“, die nach dem Zusammenbruch der DDR dem Bestand des MEK (Museum Europäischer Kulturen) Berlin eingegliedert wurden. Diese vorwiegend von Laien hergestellten Textilobjekte und Kleidungsstücke stammen aus den im Rahmen sozialistischer Kulturpolitik gegründeten Textilzirkeln und Modegruppen, deren Ziel es war, kulturpolitische Freizeitgestaltung zu betreiben, ideologisch im Sinne einer ‘dem Volk zugehörigen Kunst‘.

Inhaltlich nähert sich die Verfasserin in einem ersten Abschnitt den politischen und ideologischen Hintergründen dieser in der gesamten DDR etablierten Textilzirkel an. Es wird dargelegt, wie mit Hilfe des „künstlerischen Volksschaffens“ (S. 10) ein staatlich forciertes Kunstverständnis aufgebaut wird, das zum einen das kulturelle Niveau der Bevölkerung im Sinne politisch-ideologischer Persönlichkeitsbildung heben und zum anderen eine eigene, identitätsstiftende Nationalkultur schaffen soll. Die Umformung bäuerlicher Traditionen zu einer Arbeiter-Kultur gelang jedoch nur begrenzt, da zum einen eine Abgrenzung gegenüber nationalsozialistischer Blut-und-Boden-Ideologie erfolgen musste, andererseits wegen dem kreativen Arbeiten innewohnenden Freiheitsbedürfnis. Weiterlesen... Download

 Monika Keller für netzwerk mode textil e.V. (online seit 08.02.2018)